Freitag, 2. April 2010

pflanzenporträt: brennessel

Für belebende Frühlingsgefühle!
Du denkst, die Brennnessel ist ein „Unkraut“? Falsch gedacht! In den frischen Trieben der alten Heilpflanze steckt die ganze Kraft des Frühlings und diese können wir uns direkt einverleiben. Zubereitet etwa als Spinat, Pesto oder Risotto gilt die Brennnessel mittlerweile nicht nur als Delikatesse, sondern vertreibt auch den inneren Winter und gibt dem Körper reichlich Energie für die neue Jahreszeit.

Durch den hohen Gehalt an Vitaminen und Eisen (um ein Vielfaches mehr als herkömmlicher Spinat!) kurbelt das als Gemüse oder einfach als Tee genossene Wildkraut den Stoffwechsel ordentlich an. Es reinigt das Blut, fördert zugleich die Bildung des roten Lebenssaftes und wirkt harntreibend, kurzum: Die Brennnessel bringt Entschlackung pur!

Nicht umsonst zählt die Pflanze zu den sogenannten „Gründonnerstagskräutern“ und ist deshalb ein fixer Bestandteil der traditionellen Neunkräutersuppe, welche schon die Kelten und Germanen wegen ihrer belebenden Wirkung schätzten. Auch die äußerliche Anwendung der Brennnessel zur Haarpflege geht auf altes Wissen zurück.

Zum Verzehr werden besonders die Jungpflanzen im Frühjahr gesammelt. Dass es dabei ratsam ist, Handschuhe zu tragen, weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung: Die unzähligen, auf dem Kraut verteilten Brennhaare brechen bei Berührung ab und wirken wie kleine Injektionsnadeln. So entsteht das typische „Brennen“ auf der Haut, worauf auch der lateinische Name „urtica“ verweist. Aber nur keine Scheu: Beim Kochen geht diese Eigenschaft verloren bzw. soll das Brennen sogar die Durchblutung der Haut fördern und damit bei Gelenksbeschwerden wie Rheuma oder Gicht helfen. Der Legende nach können aber echte Jungfrauen die Brennnessel ohnehin unbeschadet berühren…

Ein liebenswerter Schatz der Natur
Zugleich wird der feurigen Pflanze nachgesagt, die Liebe brennen zu lassen. Vor allem die Samen, angesetzt in Wein oder auf’s Butterbrot gestreut, sollen die Leidenschaft anfachen. Derartiger Liebeszauber kommt übrigens auch bei Hühnern zum Einsatz: Es wird angenommen, dass ins Futter gemischte Brennnesseln das Eierlegen unterstützen. Apropos: Ostereier können mittels Auskochen des Krautes auf natürliche Weise grün gefärbt werden!

Ebenso fruchtbar ist die Brennnessel für den Boden – als Jauche düngt sie und schützt vor Schädlingen. Wo sie wächst, zeigt sie stickstoff- und nährstoffreiche Erde an und dient einer Vielzahl von Schmetterlingsraupen als kostbare „Futterweide“.

Die groben Fasern der Stängel leisteten einst als „Leinen der armen Leute“ und als Textilersatz in Kriegszeiten wichtige Dienste. Eher unwahrscheinlich, dass die Brennnessel in dieser Form bei der neuesten Modekollektion eine Rolle spielen wird, aber als „g’schmackiges Mittel“ gegen die Frühjahrsmüdigkeit liegt sie ohne Zweifel voll im Trend!

[diesen artikel habe ich voriges jahr für die zeitschrift "die weinviertlerin" geschrieben.]

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